Infiniscene – Broadcasten über den Browser

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Infiniscene-Info

Mit Infiniscene stellt ein kleines Startup um Stu Grubbs (@stugrubbs) ein Broadcasting-Tool zur Verfügung, welches eine kleine App zur Authentifizierung auf dem PC des Anwenders installiert und sich dann über den Browser steuern lässt.

Jeder fortgeschrittene Streamer hat sicher irgendwann festgestellt, dass ein Browser während des Streamens viel zu viele Ressourcen frisst. Im Kosten-Nutzen-Verhältnis musste man dann abwägen, ob der Zweck des Browsers wirklich diese Leistungseinbuße rechtfertigte. Und jetzt kommt ein derzeit 11.köpfiges Team und möchte, dass wir den Browser zum Streamen nutzen?

Halt, wie das? Ich habe mir das mal etwas genauer angeschaut und war tatsächlich positiv überrascht. Auf www.infiniscene.com erwartete mich zunächst eine ansprechend und vor allem professionell und modern gestaltete Webseite. Für mich schon mal ein großer Pluspunkt. Trotzdem weiter stutzig, las ich mir durch, wie dieses Tool arbeiten soll. Dass sich der Großteil im Browser abspielen soll, war mir noch nicht so klar, war doch nur von einem „beautiful, intuitive broadcast studio“ die Rede. Ich erwartete also eine Software im Stil von OBS/XSplit.

Manueller Login -, Datenschutz +

Also ab zum Login. Dieser ist möglich über Twitch, Facebook, YouTube und Hitbox, es gibt keine Möglichkeit, sich manuell zu registrieren. Gleich mal über Twitch probiert, der nächste Schritt bat mich dann um den Download einer App für Windows oder Mac. Auch erledigt, die App zeigte einen Freischaltungscode, den ich auf der Webseite eingeben musste, auch erledigt, dann fragte sich mich noch nach Freigaben, die Soundquellen, den Bildschirm, etc. nutzen zu dürfen. Man kann alles separat auswählen, das vermittelte ein gutes Gefühl, weil ich selber Kontrolle darüber hatte, was das Programm darf und was nicht.

Infiniscene-Team
Infiniscene-Team

Infiniscene-Team – v.l.n.r.: Hudson Kelly (Lead-Frontend-Developer), Aaron Hassell (COO), Stu Grubbs (CEO), Ryan Forquer (CMO), Dan Trocchio (CTO)

Infiniscene fernsteuern

Das nächste Bild hatte dann etwas Ähnlichkeit mit streampro.io oder dem SceneCreator von TipeeeStream. In der Mitte der Screen zum Anordnen der Elemente, links ein Bereich, um die Elemente zu verwalten und unten die Möglichkeit, mehrere Szenen zu erstellen. Der Unterschied liegt aber im Detail: Bei Infiniscene lassen sich als Quellen nun direkt Quellen wie Webcams, Bildschirme oder Fenster auswählen. Zusätzlich natürlich Texte, Bilder und URLs.

Alerts hat das Tool keine eigenen, aber Nutzer von TwitchAlerts können ihre Widgets einfach über das TwitchAlerts-Asset einbauen. Keine Sorge, wer TipeeeStream oder andere Tools nutzt, der benutzt einfach das URL-Widget. Nicht vergessen: Infiniscene befindet sich gerade in der Beta, wir können also noch einiges an Funktionen erwarten.

Letztendlich kann ich dann direkt über den Button „Go Live“ meinen Stream starten. Der Dienst verspricht, dass die Cloud-Technologie dem eigenen PC einen Großteil des Encodings abnehmen wird. Gerade für unerfahrene Streamer: Es gibt kaum Einstellungsmöglichkeiten. Stream-Titel, Spiel, Auflösung und Qualität, das war’s. Reicht ja aber auch, wenn man sich um den komplizierten Rest nicht kümmern muss.

Hat man übrigens alles nach seinen Wünschen angeordnet, kann der Browser auch komplett geschlossen werden. Sowohl für iOS-, als auch für Android-Smartphones und -Tablets steht eine App zur Verfügung, mit der sich der Stream dann steuern lässt – Stream starten/stoppen, Szenen wechseln, Viewerzahlen im Auge behalten.

Übrigens: Es lassen sich mehrere Projekte erstellen, sodass ein nachträgliches Verändern von Szenen nicht mehr erforderlich ist, wenn man mal einen komplett anderen Aufbau braucht.

Zukunft

Viele Streamer haben es bereits versucht, aber die für wenig Geld umsetzbaren Möglichkeiten sind begrenzt, suboptimal oder sehr umständlich. Infiniscene möchte der Frage ein Ende setzen, was zu tun ist um mehrere Cams oder Screens in einem Stream zu zeigen. Über eine einfache Invite-Funktion soll es möglich werden, die Devices eines Freundes in die eigenen Szenen einzubauen und gemeinsam zu streamen, ohne die lästige Latenz von Skype.

Infiniscene Collaborations

Auch soll, wie bereits weiter oben auf dem Screenshot zu sehen, Streamen in 1080p@60fps möglich sein, bleibt abzuwarten, ob das Tool kostenlos bleibt oder derartige Features dann als Premium zur Verfügung stehen werden.

Fazit

Alles in allem finde ich Infiniscene sehr ansprechend und zukunftsweisend, da versucht wird, die bisherigen Probleme eines Streamers (Encoding-Power, Fehler bei den Einstellungen, Collaborations) zu eliminieren und die Qualität bereits jetzt für sich spricht. Sowohl meine Teststreams als auch die von anderen Streamern, die das Tool verwenden, lassen erstmal nicht vermuten, dass hier kein OBS und kein XSplit dahinter steckt. Ich werde das Team direkt kontaktieren, um mal wegen der Planung hinsichtlich Premium-Features und weiterer Integrationen nachzufragen und euch dann berichten.

Schreibt uns doch bitte in die Kommentare, ob ihr schon Erfahrungen mit Infiniscene gemacht habt oder generell Interesse an dem Projekt habt!